Symbolfoto, © Sebastian Ständecke, www.pixelquelle.de Treffen Christlicher Lebensrecht-Gruppen

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29.10.2002

Tod als Quittung: Organhandel treibt finstere Blueten

London (ALfA). Mehr als 200 britische Patienten sind im vergangenen Jahr offenbar nach Indien gereist, um sich dort Nieren und andere Organe zu kaufen. Das berichtet die Online-Ausgabe der "Aerzte-Zeitung" (Ausgabe vom 24.10.).

Danach reisen reiche Europaeer und Asiaten aus London immer oefter nach Indien, um sich fuer umgerechnet etwa 700 Euro eine neue Niere oder ein anderes Organ zu kaufen. "Oft sterben die Organverkaeufer, weil es in Indien an den noetigen medizinischen Einrichtungen fehlt", heisst es in dem Bericht, in dem daraufhin gewiesen wird, dass es fuer Deutschland keine Zahlen gebe.

Im vergangenen Jahr reisten nach Schaetzungen britischer Transplantationsmediziner "mindestens 200 britische Patienten" nach Indien, um sich dort vor Ort ein Organ zu kaufen. In Grossbritannien sind wie in vielen anderen europaeischen und asiatischen Laendern die Organe fuer Transplantationen knapp. Es gebe allerdings Hinweise, dass auch andere Europaeer sowie wohlhabende Asiaten zum Organkauf nach Indien reisen.

Wie das Blatt weiter schreibt, bestaetigten sich Geschaeftemacher als Organhaendler, indem sie europaeische Patienten mit indischen Organverkaeufern zusammen braechten. Der indische Ort Villivakkam werde von indischen Aerzten inzwischen "Nierenvakkam" genannt, weil dort so viele Nieren verkauft wuerden. Der Organverkaeufer erhalte fuer seine Niere etwa 700 Euro, von denen er etwa 200 Euro als Vermittlungsgebuehr an den Makler zahlen muesse. Viele Menschen in Indien verkauften ihre Organe, weil das der einzige Weg sei, um wirtschaftlich zu ueberleben.

Weiter heisst es: Auch groessere Transplantationszentren in Deutschland wuerden das Phaenomen seit vielen Jahren kennen: Ploetzlich komme ein Patient mit neuer Niere zur Nachbetreuung in die Klinik. Niemand kenne ihn. Manche Organempfaenger redeten spaeter relativ freimuetig darueber, wo sie ihre Niere gekauft haetten, andere nicht. "Wir betreuen zur Zeit zwei solcher Patienten", sagt Professor Gerd Offermann, Transplantationsmediziner an der Charité Berlin. "Einer hat sich die Niere in Indien einpflanzen lassen, der andere auf dem Balkan."

Wie viele Menschen mit gekauften Organen in Deutschland betreut werden, weiss niemand. Schaetzungen, dass mehrere hundert Menschen in Deutschland mit gekauften Organen lebten, haelt Offermann fuer ueberhoeht. Die Aerzte seien nicht verpflichtet, solche Patienten anzuzeigen, und taeten es auch nicht, zumal sie in Konflikt mit ihrer Schweigepflicht kaemen. In Deutschland ist bislang auch noch kein Empfaenger eines gekauften Organs verklagt worden, Anbieter von Nieren allerdings schon.

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